Die Uplink-Community wächst und wächst. Zeit also, euch unsere Mitglieder einmal persönlich vorzustellen. In unserer Interview-Reihe "Meet the Uplink Community" gehen wir darum mit einem unserer Mitglieder ins Gespräch und hören nach, was sie oder ihn zum Freelancer-Sein bewogen hat, welche Hürden im Freiberufler-Dasein zu überwinden sind und was abseits der Auftragsjobs sonst noch so los ist.

Heute: Agile Coach Britta Ollrogge

Britta Ollrogge arbeitet als Agile Coach und unterstützt ihre Kunden bei der agilen Transformation

Britta, was hat dich dazu bewegt, dich selbstständig zu machen?

Ich war viele Jahre angestellt als Beraterin tätig. In der letzten Zeit vor meiner Selbständigkeit ist mir immer häufiger aufgefallen, dass es den Beratungsunternehmen nicht in erster Linie um den Mehrwert geht, der den Kunden geliefert wird, sondern darum, dass möglichst viele Stunden abgerechnet werden.

Als freiberuflicher Agile Coach habe ich da einen anderen Anspruch: Ich vereinbare mit meinen Auftraggebern Ergebniskriterien, die wir gemeinsam erreichen wollen. Das Engagement ist dann zu Ende, wenn mein Kunde die Ergebniskriterien abgehakt hat. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass es in einem anderen Bereich des Kunden zu einem neuen Auftrag kommt. Mir ist es aber wichtig, Einsätze nicht künstlich in die Länge zu ziehen, und das habe ich als Selbständige komplett selbst in der Hand.

Mit welchen Kunden und Technologien arbeitest du am liebsten?

Mein Fokus liegt auf Kunden in den Branchen Logistik, Transport und Mobilität. Ich begleite die Kunden bei der Umsetzung agiler Transformationsprojekte.
Es gibt viele populäre agile Frameworks, wie zum Beispiel Scrum, Kanban und auch welche zur Skalierung von Agilität, wie SAFe, Nexus oder das Spotify-Modell. Agilität ist für mich kein Selbstzweck, sondern hilft, die Organisation und Arbeitsweisen so anzupassen, dass Problemen besser begegnet werden kann. Typische Probleme beim Kunden sind beispielsweise hoher Wettbewerbsdruck, unzufriedene Kunden, eine zu lange Time-to-Market oder auch Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten.

Ich beschränke mich bei meiner Beratung nicht auf ein bestimmtes Framework, sondern schaue, welche Probleme den Kunden bewegen und erarbeite mit ihm gemeinsam eine tragfähige Lösung unter Verwendung der hierfür besten Methoden.

Was sind für dich persönlich die Vorteile des Freelancens? Wo siehst du Schwierigkeiten?

Ich liebe die Abwechslung und Vielfalt. Als Freiberuflerin arbeite ich nicht nur in meinem Beratungsfachgebiet als Expertin mit vielen unterschiedlichen Unternehmen zusammen, sondern mache außerdem Sales, Marketing, Rechnungswesen und Controlling. Ich bin somit Steuerfrau meines „Freelance-Bootes“ und kann jederzeit die Richtung ändern, indem ich Neues dazulerne und ausprobiere.

Problematisch sehe ich den Projektvermittlungsmarkt, der weitestgehend von großen Personaldienstleistern beherrscht wird. Wenn man sich die Mehrzahl der Ausschreibungen ansieht, fällt auf, dass viele Kunde keine Vorstellung davon haben, was ein Freelancer ist und wie er arbeitet. Häufig werden Freelancer gesucht, die eher wie Angestellte agieren sollen. Hier passen dann die Erwartungen von Kunden und echten selbständigen Experten nicht zusammen.

Nenne uns eine Sache, die man als erfolgreiche/r Freelancer/in unbedingt tun sollte!

Um als Freelancer erfolgreich zu sein, ist es aus meiner Sicht wichtig, dass man weiß, wofür man selbst steht. Also, dass man eine Vision, Ziele und eine dazu passende Strategie entwickelt hat. Nur so weiß man, wozu man da ist, wohin es geht und ob man auf dem richtigen Weg ist.

Und eine Sache, die man auf gar keinen Fall tun sollte?

Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mir das gerade erwähnte strategische Denken gefehlt. Ich habe mich von Projekt zu Projekt treiben lassen, der rote Faden fehlte. Das bringt einen nicht weiter.

Was war/ist dein schönstes Kundenprojekt? Was hat dabei besonders gut geklappt?

Ein Projekt, an das ich mit Freude zurückdenke, war bei einem Anbieter von Mobilitätslösungen. Ziele waren, die Time-to-Market der Softwareauslieferungen zu verkürzen und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Hier konnte ich den Kunden auf dem Weg zur agilen Organisation begleiten. Während bei vielen Unternehmen Agilität lediglich bedeutet, dass die Softwareentwicklungsteams nach Scrum arbeiten, ging es in diesem Projekt weit über die Teamebene hinaus. In dem Projekt hat die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und dem CIO sehr gut funktioniert, da diese sich auch als Leader der agilen Transformation gesehen haben.

Woran arbeitest du gerade neben deinen Auftragsjobs?

Ein großes Problem, insbesondere auch in der Logistikbranche, ist der Fachkräftemangel.

In der IT ist Agilität inzwischen weitestgehend angekommen und Durchlaufzeiten konnten reduziert werden. Wenn man sich aber das Thema Recruiting anschaut, sieht es finster aus. In vielen Kununu-Bewertungen von Bewerbern liest man, dass Rückmeldungen ewig dauern, manchmal gar keine Reaktion kommt und ähnliches. Dabei gibt es auch hier ein paar kleine Stellschrauben, die eine große Wirkung bringen würden. Und genau daran arbeite ich gerade: Zum Thema Agilität im Recruiting erstelle ich derzeit ein Whitepaper, in dem diese Stellschrauben beschrieben werden.

Ansonsten arbeite ich in meiner Freizeit noch an meinem Golf-Handicap. Allerdings ist mein berufliches Talent eindeutig größer als mein sportliches.

Beim Kunden oder Remote – was ist deine Präferenz? Und warum?

Die Mischung macht‘s. Gerade in der Anfangsphase finde ich die persönliche Interaktion vor Ort beim Kunden wichtig. Ziel meiner Beratung als Agile Coach in Transformationsprojekten ist immer Hilfe zur Selbsthilfe. Ich will also den Kunden befähigen, besser zu werden und ab einem gewissen Zeitpunkt ohne externe Beratung auszukommen. Daher unterstütze ich beim Aufsetzen eines Transformationsteams, berate und coache das Team und koordiniere die verschiedenen Themen. Wenn sich das Team geformt und jeder sein Commitment zu den Aufgaben gegeben hat, ist auch eine Remote-Unterstützung möglich und man kommt nur noch zu definierten Terminen zusammen.

Je nach Größe des Transformationsprojekts kann die initiale Phase aber durchaus mehrere Wochen dauern. Auch gibt es Projekte, in die ich nicht nur beratend, sondern zum Beispiel auch als Trainerin eingebunden bin. Da ist dann natürlich Präsenz vor Ort unerlässlich.

Du arbeitest viel beim Kunden vor Ort. Und das deutschlandweit. Wie richtest du da für dich eine Wohlfühlzone ein? Wo übernachtest du zum Beispiel gerne?

Ich mag es, in Hotels zu wohnen. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich genieße es, mich ein paar Tage pro Woche um nichts kümmern zu müssen. Wichtig finde ich, dass es praktisch ist, also beispielsweise Frühstück schon ab 06:30 Uhr, 24-Stunden Rezeption, gute WLAN-Verbindung, Stornierung noch am Anreisetag möglich, gute Erreichbarkeit, also Bahnstation in der Nähe oder Parkplatz. Wenn ich längere Zeit mit hoher Auslastung bei einem Kunden unterwegs bin, finde ich auch möblierte Apartments mit einer kleinen Küche gut. Dabei sind aber eine hohe Flexibilität bei der Vertragsdauer und ein Reinigungsservice für mich unerlässlich. Generell mag ich Hotels und Wohnungen, die etwas außerhalb im Grünen liegen, lieber als Unterkünfte in der Stadt.

Und wie sorgst du für die richtige Work-Life-Balance? Hast du einen Ausgleich zu deiner Freelancer-Tätigkeit?

Ich spiele seit einigen Jahren Golf und finde, das ist der ideale Ausgleich zur Freelancer-Tätigkeit. Man kann fast das ganze Jahr über spielen und bewegt sich bei Wind und Wetter in der Natur. Unter der Woche, wenn ich beim Kunden bin, schaffe ich es zwar meistens nicht, abends noch eine 9- oder 18-Loch-Runde zu spielen, aber das Nutzen der Übungsanlagen von nahegelegenen Golfclubs geht fast immer und kostet nicht viel. Bei einem meiner letzten Projekte war ich beispielsweise in der Nähe eines Golfclubs in Appenweier. Dort konnte man schon für unter 100 Euro Jahresgebühr die Übungseinrichtungen unbegrenzt nutzen. Das habe ich ausgiebig genutzt. Ab und zu schaffe ich es auch, auf der Rückfahrt vom Kunden nach Hause noch einen Abstecher zu einem Afterwork-Turnier zu machen.

Danke dir für das Gespräch!

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