Gewerbe oder Freiberufler*in - was sind die Vor- und Nachteile?

Gewerbe oder Freiberufler*in - was sind die Vor- und Nachteile?

Pauschal lässt sich die Frage, ob ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit besser ist, nicht direkt beantworten. Dies hängt ganz speziell von deinem Vorhaben und deiner Tätigkeit ab. Welche Vor- und Nachteile ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit jedoch im Allgemeinen haben, und was du vor deiner Wahl für eine der beiden Formen der Selbstständigkeit beachten musst, erfährst du in diesem Beitrag.

Wann bin ich Freiberufler*in?

Viele von uns träumen davon, irgendwann einmal selbstständig zu sein und unser Geld mit etwas zu verdienen, was wir gerne tun, ohne an die Weisungen eines Chefs oder einer Chefin gebunden zu sein. Einen guten Einstieg in die Selbstständigkeit kannst du als Freiberufler machen. Im Gesetz ist festgehalten, wer sich zu den freiberuflichen Tätigkeiten oder Berufen zählen darf. Diese nicht abschließende Liste findet sich in §18 EStG. Wenn du beispielsweise als Journalist*in, Werbetexter*in, Übersetzer*in oder in der Wissenschaft tätig sein möchtest, dann reicht eine Anmeldung deiner freiberuflichen Tätigkeit bei deinem Finanzamt aus.

Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit

✅ Keine Gewerbesteuerpflicht: Gewerbesteuererklärungen und Vorauszahlungen sind für dich als Freiberufler*in nicht erforderlich.

✅ Als Freiberufler*in musst du kein Mitglied bei der IHK werden.

✅ Du musst als Freiberufler*in lediglich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) am Ende des Jahres machen. Eine Bilanzierung oder doppelte Buchführung ist also nicht notwendig.

✅ Du kannst die Ist-Besteuerung beantragen und bist so nicht nach der Soll-Besteuerung umsatzsteuerpflichtig.

✅ Deine Tätigkeit kannst du ganz einfach durch das Ausfüllen des "Formulars zur steuerlichen Erfassung" bei deinem Finanzamt anmelden.

Nachteile einer freiberuflichen Tätigkeit

❌ Du musst darauf achten, dass deine Tätigkeit als Freiberufler*in nicht zu einer gemischten Tätigkeit übergeht, du also gewerbliche und freiberufliche Tätigkeiten mischst. Da beispielsweise nicht jeder Verkauf eines Produkts gleich eine Gewerbeanmeldung erfordert, solltest du dich zuvor ausreichend informieren und im Zweifel einen Steuerberater zu Rate ziehen.

❌ IT-Berufe und somit teilweise auch bestimmte Tätigkeiten im Bereich der Softwareentwicklung sind nicht explizit im §18 EStG festgehalten. Viele Informatiker*innen sind freiberuflich tätig. Für einige gilt jedoch eine Gewerbepflicht. Mehr Informationen zu der Thematik findest Du hier.

Wann lohnt sich ein Gewerbe für mich?

Willst du ein Produkt entwickeln und dieses auf den Markt bringen, so reicht eine Anmeldung als Freiberufler*in in der Regel nicht aus. In diesem Fall musst du ein Gewerbe anmelden. Viele fürchten sich vor der Anmeldung eines Gewerbes, weil sie denken, dass mit einem Gewerbe eine höhere steuerliche Belastung auf sie zukommt. Dies ist jedoch nur bedingt der Fall.

Vorteile einer Gewerbeanmeldung

Bei einer Mischtätigkeit (freiberufliche und gewerbliche Tätigkeit) bist du mit einer Gewerbeanmeldung in der Regel auf der sicheren Seite.

Nachteile einer Gewerbeanmeldung

Du musst Mitglied bei der IHK werden und einen umsatzabhängigen Beitrag (ab 5.200€ Gewinn im Jahr) zahlen.

Ab einem Jahresgewinn von 24.500€ bist du gewerbesteuerpflichtig.

❌ Deine Umsatzsteuer musst du nach der Soll-Besteuerung ausführen, jedoch erst ab einem Jahresumsatz von 500.000€.

Gewerbebetreibend oder Freiberufler*in - Was ist nun wirklich besser? 🤔

Als Freiberufler*in genießt man einige Vorzüge gegenüber Gewerbetreibenden. Es sind jedoch einige Sonderfälle vor der Anmeldung zu beachten. Wer einer gewerblichen Tätigkeit nachgehen möchte, jedoch auch die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit genießen will, sollte eine Mischform und somit die Anmeldung beider Formen der Selbstständigkeit in Betracht ziehen. Sofern es sich bei einem Teil deiner Tätigkeit um eine gewerbliche Tätigkeit handelt, könntest du diese also auslagern. So bist du  immer noch als Freiberufler*in gemeldet und hast nebenbei noch ein Gewerbe angemeldet.